Die Wahrheit ~ Der Sinn ~ Der Frieden
- Jul 2
- 4 min read
Im Prozess der persönlichen Entwicklung suchen wir zuerst nach der Wahrheit – wissen Sie das?
Danach nach dem Sinn.
Und am Ende nach dem Frieden (in uns selbst).
Wer bin ich?
Diese Frage begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit.
Ich lag im Gras, beobachtete die Ameisen, wie sie fleißig eine Last trugen, die größer war als sie selbst, und die Wolken, die ohne Eile vorbeizogen.
Ich fragte meinen Vater nach dem Universum, nach Gott, und warum die Dinge so sind, wie sie sind.
Er gab mir die Wissenschaft.
Mein Großvater gab mir den Glauben.
Und ich stellte auf jede Antwort eine neue Frage: „Bist du sicher?“
Jahre später wurde mir klar, dass das nicht nur kindliche Neugier war. Es war die erste Phase des Weges – die Suche nach der Wahrheit.
Die Suche nach der Wahrheit
Die Wahrheit ist nicht angenehm.
Sie kommt nicht mit Blumen und Applaus.
Sie kommt wie der Einsturz eines Kartenhauses.
Im Jahr 1992, im Alter von vierzehn Jahren, brach alles zusammen.
Das Zuhause, die Mutter, die Sicherheit.
Der Krieg kam und nahm, was er konnte.
Später, mit siebzehn, in tiefer Dunkelheit, versuchte ich, mir das Leben zu nehmen.
Der Schmerz war stärker als der Sinn.
Die Wut auf das Leben, auf Gott, auf alles, von dem ich dachte, dass ich es wüsste – sie war unerträglich.
In diesem Moment begann die wahre Suche.
Nicht mehr durch Bücher und das Wissen anderer, sondern durch Konfrontation. Die Konfrontation mit Wunden, falschen Überzeugungen, mit den Masken, die ich trug, um zu überleben.
Ich verstand, dass wir die Welt nicht so sehen, wie sie ist, sondern so, wie wir sind. Unsere Wahrnehmung ist ein Filter – voller Ängste, Erwartungen und geerbter Geschichten.
Die Suche nach der Wahrheit ist der Mut zu sagen:
„Das, woran ich geglaubt habe, ist nicht mehr die Wahrheit.“
Es ist der Moment, in dem man aufhört, vor dem Unangenehmen wegzulaufen.
Wenn man anfängt, sich selbst Fragen zu stellen, anstatt Antworten in der Außenwelt zu suchen.
Es ist ein schmerzhafter, aber befreiender Prozess. Als würde man Schichten alter Haut abstreifen, die einem nicht mehr passen.
Auf diesem Weg habe ich gelernt, bin gefallen und wieder aufgestanden.
Ich habe gelesen, gesprochen, bin gereist – nicht nur physisch, sondern durch mein Inneres.
Und jedes Mal, wenn ich dachte, ich sei angekommen, tauchte eine neue Frage auf.
Denn die Wahrheit ist kein Endziel. Sie ist eine ständige Entdeckung.
Das Finden des Sinns
Wenn man sich der Wahrheit stellt, kann man nicht mehr auf die alte Weise leben.
Dann kommt die zweite Phase – die Suche nach dem Sinn.
Der Sinn ist nichts, was man im Außen findet.
Er entsteht aus der Integration dessen, was wir erkannt haben.
Nach Jahren der Suche begann ich, das zu leben, was ich gelernt hatte.
Ich wurde Mutter.
Zog um.
Studierte.
Arbeitete mit Menschen.
Und im Jahr 2020 geschah etwas Unerwartetes – ich begann zu malen.
Ein Teil von mir, von dem ich nicht einmal wusste, dass er existiert, erwachte. Farben, Formen, die Stille in der Bewegung der Hand auf der Leinwand – das wurde meine Sprache.
Den Sinn habe ich in den kleinen Dingen gefunden:
in der Präsenz mit meinen Töchtern,
in Gesprächen, in denen ich keine Ratschläge gebe, sondern Fragen stelle,
im Schreiben dieser Texte aus dem Erlebten.
Ich habe verstanden, dass wir die Außenwelt nicht so verändern können, wie sie ist – dicht, hart, voller Konflikte. Aber wir können das Universum in uns selbst verändern. Und damit alles um uns herum beeinflussen.
Sinn liegt darin, das zu leben, was du bist.
Deine Wunden in Licht für andere zu verwandeln.
Präsent zu sein.
Denn der gegenwärtige Moment ist alles, was wir haben.
Das Einzige, was wirklich existiert.
... Und am Ende – der Frieden
Frieden ist kein Zustand, in dem es keine Probleme gibt.
Frieden ist ein Zustand, in dem man nicht mehr in ihnen gefangen ist.
Es ist die tiefe Erkenntnis, dass man Teil von etwas Größerem ist, dass wir aus Sternenstaub gewebt sind, dass Ekstase unsere wahre Natur ist und Leiden – eine schwere Arbeit, die wir uns selbst aufbürgen.
Nach all den Jahren der Reise durch das Innere kommt der Frieden wie eine leise Erkenntnis: „
Wer bin ich?“
ist keine Frage voller Verzweiflung mehr, sondern eine Frage voller Dankbarkeit.
Frieden ist, wenn man aufhört, vor sich selbst wegzulaufen, und anfängt, in sich selbst zu ruhen.
Heute atme ich die Präsenz, die ich jahrelang gelernt habe.
Ich sehe, wie sie sich auf meine Töchter überträgt.
Ich sehe sie in den Momenten, in denen das Leben einen Sturm bringt und ich ein Anker bleibe – nicht weil ich stärker als die Wellen bin, sondern weil ich weiß, dass Wellen vorübergehen.
Der innere Frieden ist kein Endbahnhof.
Er ist ein Begleiter auf dem weiteren Weg.
Er ermöglicht es uns, nach einer noch tieferen Wahrheit zu suchen und mit einem noch volleren Sinn zu leben.
Wer bin ich?
Ich bin Enisa Alić. Eine Frau, die durch das Feuer gegangen ist, durch die Dunkelheit, durch Fragen ohne Antworten.
Die gelernt hat zu malen, zu schreiben, präsent zu sein.
Die immer noch mit Freude und Neugier durch die Unendlichkeit ihres Inneren reist.
Und du, lieber Leser, wer bist du?
Vielleicht stehst du gerade am Anfang der Suche nach der Wahrheit.
Vielleicht spürst du schon, wie der Sinn erwacht.
Oder du bist an der Schwelle zum Frieden, der hinter all den Schichten auf dich wartet.#
Wo auch immer du bist – sei sanft zu dir selbst 💜
Der Weg ist nicht leicht, aber er ist es wert.
Denn am Ende von allem kehren wir zu uns selbst zurück.
Der gegenwärtige Moment ist alles, was wir haben, denk daran!
In Liebe für euch,
Enisa




